Kommentar im Lancet Neurology mit Thomas Stieglitz
Die Fachzeitschrift „The Lancet Neurology“ hat einen Kommentar mit dem Titel „Die Wiederherstellung der Wahrnehmung bleibt eine der zentralen Herausforderungen der Neurotechnologie“ veröffentlicht. Der Artikel liefert einen klinisch fundierten Fahrplan für die Bereitstellung von taktilem, propriozeptivem und thermischem Feedback über multimodale Prothesenschnittstellen und wurde unter anderem von Prof. Thomas Stieglitz, Lehrstuhlinhaber am IMTEK und Mitglied von BrainLinks-BrainTools, verfasst.
Die Wiederherstellung sensorischer Rückmeldungen wird als unerlässlich dargestellt, da Prothesen, die taktile, positionsbezogene und Temperatursignale vermitteln, die motorische Kontrolle verbessern, Phantomschmerzen lindern und die Akzeptanz der Prothese erhöhen, wodurch das chronische Problem der Nichtnutzung direkt angegangen wird. Die Autoren geben einen Überblick über invasive (periphere, spinale und kortikale) sowie nicht-invasive Strategien und skizzieren einen translationalen Ansatz, der physiologische Signalwege mit multimodalen, biomimetischen Regelkreisen nachahmt. Sie weisen zudem auf die derzeitigen Hindernisse hin: komplexe chirurgische Eingriffe, begrenzte Langzeitdaten, das Fehlen standardisierter Leistungsmetriken aus der Praxis, Hardware-Einschränkungen und einen Markt, der derzeit zu klein ist, um eine lebenslange Patientenbetreuung zu gewährleisten. Mit Blick auf die Zukunft schlägt der Artikel hybride therapeutische Rahmenkonzepte vor, die adaptive Neuromodulation im geschlossenen Regelkreis – wie die Vagusnervstimulation – mit neuen hochpräzisen nicht-invasiven Techniken wie Temporal-Interference und Quantensensorik kombinieren. Solche Kombinationen könnten Prothesen von rein unterstützenden Geräten zu Werkzeugen machen, die die neuronale Plastizität und die funktionelle Erholung aktiv vorantreiben.
Link zum Originalartikel: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S1474442226000918?via%3Dihub
